Eine Inventur, ein verschwundener Lagerplatz – und die Kaffeeküche
Es war ein typischer Montagmorgen: Das Lager hatte den Betrieb aufgenommen, Paletten wurden verfahren, Scanner piepsten – und das Inventurteam stand bereit, eine der letzten offenen Positionen zu prüfen. Die Aufgabe war eigentlich unspektakulär: Ein kleiner Restbestand sollte auf Lagerplatz A-17-03 liegen, laut SAP WM ein normaler, aber gesperrter Stellplatz. Die Inventurmitarbeiterin schaute auf ihr Handheld, Platz A-15, A-16 … und dann … auf die Kaffeeküche. Da wo Lagerplatz A-17-03 sein sollte, standen heute ein Kühlschrank, darauf eine Kaffeemaschine, ein Spülbecken, ein kleiner Tisch und zwei Stühle.
Es stellte sich heraus: Der Lagerplatz war vor fünf Jahren einer Kaffeeküche gewichen. Von der Umwidmung wusste das WM-System leider nichts. Es hatte den Platz über all die Jahre weitergeführt. Der Schichtleiter konnte sich ein Schmunzeln nicht verkneifen: „Na super. Hätte ich das gewusst, hätte ich den Lagerplatz wieder freigegeben und den Kaffeebestand darüber verwaltet.“
Die Anekdote sorgte für Gelächter – aber auch für ein Aha-Erlebnis. Denn sie zeigte, was in vielen Unternehmen Realität ist: Systeme, die über Jahre gewachsen sind, führen oft Daten und Prozesse weiter, die real längst nicht mehr existieren.
Und genau dort beginnt die Notwendigkeit einer Migration.
SAP WM im Wandel der Zeit – bewährt, aber technologisch überholt
SAP LE-WM zählt seit mehr als 30 Jahren zu den weltweit meistgenutzten Warehouse-ManagementSystemen. Prozesse zur Bestandsführung, Lagerplatzverwaltung und Auftragsabwicklung wurden in nahezu allen Branchen implementiert – vom manuellen Lager bis hin zu komplexen Distributionszentren.
Aufgrund der begrenzten Standardfunktionalitäten, beispielsweise in den Bereichen Ein- und Auslagerstrategie und Prozessvisualisierung, waren Anpassungen fast immer direkt bei der Einführung notwendig. Eine Komponente für den Materialfluss gab es nicht. Für den Betrieb von Automatiklagern war die Anbindung von externen Warehouse Control Systemen erforderlich. Einzelne Anbieter, zu denen auch Körber zählt, boten SAP-integrierte Materialflussanwendungen als SAP Add-on an.
Über Jahre wurden SAP WM Installation individuell weiterentwickelt. Das Ergebnis sind hochindividuelle WM-Systeme, deren Komplexität häufig nur noch von wenigen Experten beherrscht wird. Genau diese gewachsene Komplexität macht eine Migration anspruchsvoll – und eine strukturierte Vorbereitung unverzichtbar.
Klare Faktenlage: Warum der Handlungsdruck steigt
Auch wenn viele Unternehmen SAP WM noch fest im Griff haben, ist der offizielle Fahrplan eindeutig:
- Die Erlaubnis SAP WM im Kompatibilitätsmodus unter SAP S/4HANA zu nutzen läuft am 31.05.2026 aus.
- Die Mainstream-Wartung von SAP WM in ECC endet 31.12.2027.
- 31.12.2030 ist ein finales Datum: Ab dann darf SAP WM nicht mehr produktiv betrieben werden.
Diese Eckdaten sind nicht nur technische Meilensteine – sie setzen konkrete Handlungsfenster für Unternehmen, die heute noch auf WM setzen.
Welche Zielarchitektur die richtige ist – und warum es nicht die eine Antwort gibt
SAP bietet mehrere Zielarchitekturen, die je nach Komplexität und Unternehmensstrategie sinnvoll sein können:
- Stockroom Management (nur Übergangslösung)
- SAP LGM
- SAP EWM Embedded (Basic)
- SAP EWM Embedded (Advanced)
- SAP EWM dezentral
Einen Report, der die bestehende Lösung analysiert und das bestgeeignete Zielsystem vorschlägt, gibt es leider nicht. Die Auswahl des Zielsystems hängt maßgeblich von Faktoren wie Prozesskomplexität, Automatisierungsgrad, Skalierungsanforderungen und strategischer Bedeutung des Lagers ab. Genau hier zeigt sich der Mehrwert einer strukturierten Analyse.
Bewertung der Migrationsoptionen